ALTERNATIVE BINDUNGEN
Ein Buch binden ist letztlich nichts anderes, als eine Anzahl von Blättern so zusammen zu fassen, dass sie nicht auseinanderfallen.
Jeder hat schon ein gebundenes Buch in der Hand gehabt, oder ein Taschenbuch, oder ein geklammertes Heft. Und alle diese Möglichkeiten sind es, die das obige Ziel verfolgen. Dabei spielen sowohl die Auflage und die notwendige Herstellungszeit oder/und der Preis eine wesentliche Rolle, manchmal jedoch auch die Freude daran, ein nicht nur inhaltlich sondern auch vom Erscheinungsbild her schönes Buch zu produzieren.
Diese heutigen, modernen Arten "Blätter zusammenzuhalten" sind aber nur das Ende eine langen Kette von Techniken, die über das Zusammenfassen von Blättern weit
hinausging und oft genug in eine Kunstform überging.
Das Handwerk "Buchbinden" und künstlerische Gestaltung schließen sich nicht aus, allerdings bedingt die künstlerische Gestaltung, und das gilt gleichermaßen für Schachteln aller Formen, die technische Umsetzung im Handwerk.
Buchbinder sehen in ihrem Handwerk also auch eine Form von Kunst, was sie oft eindrucksvoll präsentieren, zu sehen z.B. auf der Messe der "buchdruckkunst" in Hamburg.
In diesem Workshop wollen wir uns mit vier Bindetechniken beschäftigen:
- mit der Klebebindung, wie wir sie heute von Taschenbüchern her kennen
- mit der Schraubbindung
- mit der alten koptischen Bindung und
- der japanischen Bindetechnik.
Die letzten beiden haben eine lange Tradition und werden heute eher aus bibliophilen Gründen angewandt.
Klebebindung:
Hier werden die Rückseiten eines Papierstapels mittels Kalt- oder Heißleim verbunden. Copy-Shops bieten diese Heißleim-Klebebindung oft an.
Neben der günstigen, industriellen Massenproduktion bei Taschenbüchern findet sie dort Anwendung, wo einzelne Blätter nicht gefalzt werden können. Sie ist weniger haltbar als die Fadenbindung, dafür schneller und preisgünstiger.
Händisch wird die Klebebindung oft unter Einsatz einer bestimmten Apparatur mittels Lumbeck-Verfahren durchgeführt.
Im Kurs werden wir uns mit einer einfacheren Form des "Lumbeckens" beschäftigen.
Wichtige Begriffe: - Kaltleim-Verfahren
- Laufrichtung des Papiers beachten
- Papierstapel auffächern
- mit Gazestreifen verstärken
Material wird im Kurs gegen eine Kostenpauschale zur Verfügung gestellt.
Schraubenbindung:
Die Schraubenbindung ist eine schnelle und relativ einfache Art, ein Buch/Album zu erstellen.
Neben der Schnelligkeit hat sie auch den Vorteil, dass Fehler in der Laufrichtung des Papiers nicht so zu Buche schlagen und verschiedene Papierarten und/oder Hüllen zusammengefasst werden können.
Darüber hinaus bietet diese Bindung je nach Konstruktion auch die Möglichkeit, die Dicke des Buches oder Albums zu erweitern, z.B. bei einem Fotoalbum, bei dem die anfänglichen Seiten nicht mehr reichen.
Kursmaterial:
erfahren Sie in der Vorbesprechung
Koptische Bindung:
Die Kopten, Christen aus Ägypten, entwickelten diese Bindetechnik, um ihre Gebetsbücher zu erstellen.
Bei dieser Technik werden auch Papierlagen, ineinandergeschobene, gefalzte Blätter, mittels Faden miteinander verbunden. Der Unterschied zur heutigen Fadenbindung: es wurden keine Heftbünde benutzt. Heftbünde sind heute Gewebestreifen, um die herum der Heftfaden geführt wird, um die Lagen in ihrem Zusammenhalt zu stabilisieren. (Siehe Workshop: Klassische Faden Bindung (5) )
Die Lagen werden durch eine Verschlingung miteinander verbunden.
Die Koptische Bindung ist keine Blockbindung wie die Klebe- oder japanische Bindung.
Der Robau einer koptischen Bindung. Im Gegensatz zur heutigen Fadenbindung sehen Sie keine Heftbänder, die einzelnen Lager werden ähnlich dem Fitzbund über Verschlaufung miteinander verbunden.
Dabei wird, im Gegensatz zur heutigen Buchbindung, der Einbanddeckel schon mit eingeheftet.
Die Gestaltung des Einbandes muss also vor der Heftung erfolgen.
Japanische Bindung/Blockheftung
Wie der Namen schon vermuten lässt entstand sie in Asien.
Die Bindesystematik ist der Schraubenbindung nicht unähnlich im Verhalten der zusammengefassten Blätter. Im Rücken steif kann das Buch schlechter aufgeklappt werden, als bei einer koptischen Bindung oder heute üblichen Fadenheftung.
Die japanische Heftung wird mit einem Faden durchgeführt wird, was eine Vielzahl an Mustern möglich macht.
Die Papiere wurden zu ihrer Entstehnungszeit nur einseitig beschrieben/ bedruckt. Die Beschriftung der Papiere war auf der Rückseite sichtbar. Die Blätter wurden daher gefalzt und die offenen Seiten im Rücken gebunden, so dass der Papierbogen vorne geschlossen war und ist.
Anders als in der heute üblichen Fadenheftung sind also die Heftfäden außen zu sehen. Durch die Papierlagen läuft kein Faden.
Heute wird die japanische Blockbindung eher aus ästhetischen Gründen angewandt oder wenn sehr dünne Papiere oder auch sehr unterschiedliche Papiere/Materialien zusammengeheftet werden sollen.
Auch bei der Herstellung eines Fotoalbums kann es, wie auch die Schraubenbindung, nützlich sein, ist aber im Gegensatz zur Schraubenbindung aufwändiger, dafür aber vielseitiger gestaltbar.
Die Blockbindung, hier ein Schema, zeichnet sich durch eine durch alle Papierlagen durchstochene Heftung aus. Anstelle der Schrauben wird ein Garn verwendet. Der Vorteil: am oberen und unteren Schnitt wird es noch etwas besser zusammengehalten. Ansonsten liegt es beim Öffnen immer auf dem zusammengeheftetet Rücken und liegt nicht Plan auf.
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