Das Handwerk des Buchbindens
WORUM GEHTS WIRKLICH
Nach der Aufzeichnung auf Tontafeln waren schriftliche Erzeugnisse anfangs auf Rollen geschriebene Informationen, später auf einzelnen Blättern.
Ein Buch war zunächst nicht anderes, als die Zusammenfügung loser Blätter. Es soll nichts verloren gehen, die Reihenfolge der Seiten wurde fixiert, die Archivierung und Handhabung wurde verbessert und das Werk selbst wurde schonend mit einem Einband versehen werden. Anfangs war es oft nur ein Stück Leder oder Stoff, in das ein "Buch" eingewickelt wurde.
Irgendwann aber kam auch die Gestaltung hinzu, denkt man an die handgeschriebenen Kopien vor allem religiöser Bücher. Die Einbände wurden dabei oft aufwändig gestaltet, in die das Gedankengut der jeweiligen Kultur einfloss. So wurde die Achtung und die Liebe zum Inhalt ausgedrückt über die Gestaltung einer anfangs nur in geringer Auflage vorhandenen Literatur.
Heute ist die industrielle Herstellungstechnik weit darüber hinaus in der Lage millionenfach Bücher, gebunden oder als Taschenbuch, auf den Markt zu werfen, geklebt oder gehefte. Diese zwei Bindungsarten sind im industriellen Zweig von den bis dahin entwickelten Varianten übrig geblieben.
Die modenre Buchgestaltung unterscheidet sich heute "nur noch" über die Gestaltung der Buchcover, also durch drucktechnische Verfahren.
Die Herstellungsqualität ist perfekt, selbst Taschenbücher haben eine hohe Haltbarkeit aufgrund auch verbesserter Klebematerialien. Auch wenn es für die Autoren überlebenswichtig ist, für die Kosumenten erschwinglich, für die Unterhaltung notwendig - es bleibt bindungstechnisch industrielle Massenware.
Gelegentlich findet man Ausnahmen
Davon gibt es nur wenige Ausnahmen, die ich zwar selten, aber immer mal wieder finde, auch als Industrieprodukt.
Wenn allerdings ein geliebtes eigenes Kinderbuch, oder auch Sachbuch, nach Jahren des Gebrauchs Spuren und Risse bekommt, die das Buch nur noch schlecht aussehen lässt oder kaum noch benutzt werden kann, ohne dass Seiten herausfallen, stellt sich die Frage: was tun?
Dieses Buch steht alleine ja nicht nur für den Inhalt, es verbindet Erinnerungen, die man festhalten und bewahren möchte.
Da hilft es auch nichts, wenn man im Antiquariat ein Ersatzexemplar für wenig Geld, oft in besserem Zustand, erwerben kann. Es ist nicht das eigene. Nur: es müsste repariert werden.
Hier könnte der Buchbinder helfen, wenn es noch einen gibt, der solche Arbeiten übernimmt,
oder selbst reparieren?
Und wie sieht es mit der Selbstgestaltung eines persönlichen Buches, z.B. eines Tagebuches, eines Gästebuches aus? Tagebücher kann man zu Hauf kaufen, oft mit schönen Einbänden, oft grausam. Nach 5-10 eingeklebten Fotos platzt es auf und verliert viel von seinem anfänglichen Charme.
Das Handwerk des Buchbinders kann hier Abhilfe schaffen.
Die Gestaltung eines Unikats liegt in den eigenen Händen, ob man restaurieren möchte oder neu gestalten. Selbst wenn es nicht perfekt ist, was Hobbybuchbinder oft aufgrund fehlender Übung nicht immer schaffen, es ist einzig.
In der Buchbinderei ist hinsichtlich Gestaltung mit Papier, Pappe, Leim und vielen anderen Materialien wie Holz, Farbe, Harz, Metall etc. kaum eine Grenze gesetzt.
Und genau hier fängt der Spass an. Hier geht ein Handwerk weit über die Nutzbringung hinaus, Papierseiten zusammenzufassen, zu bewahren oder zu schützen.
Es entsteht ein künstlerischer, ästhetischer und emotionaler Wert, der durch kein gekauftes Exemplar zu erreichen ist. Das Handwerk wird zur Plattform künstlerischer und kreativer Gestaltung.
Buchbinden als Hobby bedeutet ein Abenteuer, sich auf die immer neue Gestaltung mit vielfältigen Materialien des ansonsten alltäglichen Gegenstandes "Buch" einzulassen.
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